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Anatomie einer Geistesfreundschaft Alfons Schweiggert 176 Seiten, mit zahlr. Abb., 17.80 €, EOS Verlag, 2008
Eine sensationelle Entdeckung zum 200. Geburtstag von Edgar Allan Poe liefert der nicht nur durch zahlreiche bedeutsame Bücher über König Ludwig II. bekannte Münchner Schriftsteller Alfons Schweig-gert. Erstmals enthüllt er die mystische Geistes- und Seelenverwandtschaft von zwei genialen Persönlichkeiten, des ameri-kanischen Kultautors Edgar Allan Poe, ein Mythos schon zu Lebzeiten, und des nicht minder legendären Königs Ludwig II. von Bayern. Für Charles Baudelaire war Poe „ein neuer Heiliger in der Gesellschaft der erlauchten Unglückseligen“. Auch Ludwig II. darf diesem Kreis durchaus zuge-rechnet werden. Erstaunlicherweise wurde bislang auf die faszinierende enge geistig-seelische Beziehung beider weder in der Literatur über Poe noch in der über Ludwig II. auch nur mit einem Wort eingegangen. Dies rührt sicher daher, dass bislang nicht bekannt war, dass Ludwig II. als einer der ersten in Deutschland das Werk des genialen amerikanischen Dichters und Magiers des Phantastischen und Abgrün-digen entdeckte. In einem Interview mit dem amerikanischen Journalisten Lew Vanderpoole, das vier Jahre vor dem rätselhaftem Ende des Königs stattfand, schwärmte der Bayernkönig von Poe als „einem Juwel und einem der größten Menschen, die je geboren wurden“. Für ein einstündiges Gespräch mit dem Dichter wollte er seinen Thron hingeben. Dies verwundert nicht, wenn man das Schicksal E.A. Poes mit dem Ludwigs vergleicht. Die Ähnlichkeiten, auch hin-sichtlich der künstlerischen Auffassung beider, sind geradezu sensationell. Ange-fangen von äußerlichen und charak-terlichen Parallelen über ähnliche Interessen und psychische Merkmale bis hin zu erstaunlichen Ähnlichkeiten in den Beziehungen zu Frauen sowie zu geradezu unglaublichen Überschneidun-gen hinsichtlich der Todesumstände ver-deutlicht Schweiggert schlüssig, was von Ludwig II. so ausgedrückt wurde: „Für mich ist Poe einer der wunderbarsten aller Schriftsteller … einer der größten Men-schen, die je geboren wurden … Ich glaube, dass eine gewissen Ähnlichkeit zwischen Poes Natur und der meinen besteht.“ Akribisch und mit profunder Kenntnis von Leben und Werk der beiden Protagonisten seziert Schweiggert die höchst erstaunlichen Überschneidungen beider hinsichtlich ihres genialen Wesens und der Nähe zum Wahn sowie bezüglich der künstlerischen Auffassung, die Ludwig aus Poes Werken für seine Vorstellungen von Kunst abgeleitet zu haben scheint. In diesem Buch wird also nicht nur ein kenntnisreicher Blick in die seelischen Abgründe des amerikanischen Kultautors Poe gestattet, sondern auch in die rätselhafte Psyche des Bayernkönigs. Poe dient dem Autor des Buches gleichsam als Spiegel, in dem sich das Wesen Ludwigs II. in einer Art und Weise zeigt, wie dies so in der Ludwig-Literatur bislang in der Tat noch nicht geschehen ist. Wie Schweig-gert zu Recht betont, „weisen Ludwigs Lebensschicksal und Werk mit Leben und Werk E.A. Poes derart zahlreiche und auffallende Überschneidungen auf, dass ein Vergleich dazu beitragen kann, Wesen und die künstlerischen Aktivitäten des bayerischen Monarchen in Teilen neu zu interpretieren und zu verstehen.“ Ein höchst interessantes Buch, das nicht nur zum 200. Geburtstag von Edgar Allan Poe zur Lektüre ausdrücklich zu empfehlen ist.
Ehrenfried Brandner Bergen/ Chiemgau
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