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Gallerien zu Ludwig II.

Wanderung zum Schachenschloss

Ein Bericht von Helmut Schöttner

Dienstag, August 2000, ein sonniger Morgen - und bei der Mautstelle auf der Straße von Klais nach Elmau stellen wir fest, dass nach der Tageskarte bereits 125 Auto vor uns passiert haben. So ist der Wanderparkplatz bei Elmau schon fast gefüllt, als wir dort ankommen. Wanderschuhe anziehen, Rucksack schultern, Wanderstecken ausfahren und los geht‘s.

 

Das Schachenschloss, eingerüstet im August 2000

 Das Schachenschlos, eingerüstet im August 2000

Auf einem breiten Forstweg  laufen wir den Elmauer Bach entlang und freuen uns am Spiel des Schattens, den die Sonne auf die Blätter wirft. In einer geraden Steigung führt der Weg bald bergauf. Wir müssen das Tempo etwas zurücknehmen - ein langer Marsch steht uns bevor. Doch nicht nur uns. Wir überholen Familien mit Kindern und werden überholt von Wanderern, die forscher ausschreiten als wir. Ich erzähle Leila von meiner ersten Wanderung auf den Schachen im September 1995. Damals lag ab der Wetterstein Alm bereits Schnee und die Rinder wurden herabgetrieben. Auf dem Schachen traf ich nur fünf andere Wanderer, die sich - ebenso durchgefroren wie ich - bei einer Linsensuppe wärmten. Nach etwa 35 Minuten erreichen wir die Kreuzung, bei der links der Bannholzweg nach Mittenwald abzweigt. Rechts geht es in Richtung Partnachklamm. Nach einer Stunde Wandern wird eine kurze Rast eingelegt. Ein paar Schlucke aus der Thermoskanne und eine kleine Brotzeit verschaffen uns neue Kraft.

Um kurz nach 9.00 Uhr kommen wir bei der Wetterstein Alm an. Großer Trubel, wie man es von einem Sommertag erwarten kann. Die vor dem Haus aufgestellten Tische und Bänke sind voll besetzt. Wir finden trotzdem zwei freie Plätze. Die Bedienung jedoch ist hoffnungslos überfordert. Also gehen wir ohne Brotzeit, dafür mit leisem Schaudern nach Besuch des urigen Donnerbalkens, weiter. In den Bergen darf man nicht zimperlich sein.

Die gut ausgebaute Forststraße wechselt nun mit einem steinigen Bergpfad. In steilen Kehren geht es durch den Wald bergauf. Ein Glück, dass wir die Wanderstecken haben! Endlich erreichen wir die Höhe und stehen mit roten Wangen da. Zwischen dem spärlichen und wettergebeugten Wald ragen rauhe Felsentürme empor. Links im Tal sind die Häuser von Garmisch-Partenkirchen zu sehen. Ein Anstieg wartet noch auf uns, der Steilenberg. Als wir ihn bezwungen haben, fällt unser Blick auf das Schachenschloss.

Das Ziel vor Augen sammeln wir Kraft für die letzte Etappe. Wir folgen dem Königsweg weiter und kommen an Beständen der heute seltenen Zirbelkiefern vorbei, die zum Bau des Schachenschlosses verwendet wurden. Immer wieder überholen uns Mountain-Biker. Mit jedem Schritt spüren wir die Schwere unserer Beine. Die Mittagssonne glänzt am Firmament und treibt uns den Schweiß aus dem Körper. Ein letzter Anstieg mit müden Füßen. Endlich die Schachenhäuser! Ein Gasthaus, Tische im Freien, Kinder, Hunde, Wanderer, die sich lautstark unterhalten. Wir achten kaum auf den emsigen Betrieb und suchen die Waschräume auf. Das kühle Wasser und frische Unterwäsche bringen unsere Lebensgeister zurück. Nun meldet sich auch der Hunger!

Schachenschloss und Schachenhütte, Aufnahme vom Sommer 1996

Inzwischen ist es 12.15 Uhr, beste Mittagszeit. Die Gaststube ist brechend voll. Auch vor dem Haus sind alle Plätze besetzt. Im Anbau des Schachenhauses finden wir noch eine Ecke für uns. Der Blick auf den Wetterstein ist atemberaubend. Zum Essen bestellen wir uns Schinkennudeln, für Leila ohne Schinken. Es dauert eine Weile, bis die Wirtin die voll beladenen Teller bringt, dadurch schmeckt es fast noch besser.

Mit Essen und Beine baumeln lassen vergeht die Zeit. Um 14.00 Uhr steht die Schlossbesichtigung an. Wir verlassen die Gaststätte und steigen den kleinen Hang zum Schachenschloss hinauf. Vor dem Eingang haben sich bereits viele Neugierige versammelt. Aus der Nähe betrachten wir, was wir bereits von ferne gesehen haben. Das Schloss ist eingerüstet, da es gerade saniert wird. Der dem Schachenhaus zugewandte Anbau hat bereits seinen Neuanstrich, einen hellen Ockerton, erhalten. Bei diesem Farbton  soll es sich um  die Originalfarbe handeln.

Auch mit der zweiten Führung kommen wir noch nicht in das Schloss. Zum Glück finden sich noch ca. 10 Personen für eine  dritte Führung um 14.45 Uhr.

Die Rucksäcke müssen vor dem Schloss abgelegt werden. Der Schachenwirt führt uns durch die schlicht ausgestatteten Räume des Erdgeschosses. Im Wohnzimmer zeige ich Leila ein Bild von Linderhof im Jahre 1872, gemalt von  Julius Lange. Dann steigen wir über die enge Wendeltreppe in den zweiten Stock des Schlosses. Wir treten in den türkischen Saal und finden uns wieder in der funkelnden Pracht aus Tausendundeiner Nacht. Der Kontrast zur kargen Bergwelt könnte nicht deutlicher sein. Pfauenfedern, Leuchter, kostbare Stoffe und  Ornamente sind Zeugnis eines romantischen Traums. Durch die bunten Glasfenster bricht Sonnenlicht herein und spiegelt sich in allen Farben  

Rückwärtiges Fenster im 1. Stock des Schachenschloss

Noch immer bezaubert verlassen wir das Schloss und laufen zum offenen Pavillon. Von dort aus eröffnet sich uns der Blick auf das Oberreintal und die Alpspitze. Wir setzten uns auf die Bank und genießen den Augenblick.

Bald jedoch wird es Zeit, wieder aufzubrechen. Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu und noch liegt der Abstieg vor uns. Also beschließen wir, den Alpengarten ein andermal zu besuchen, trinken einen letzten Schluck beim Schachenwirt und schultern unsere Rucksäcke. Die Wanderstöcke fest in der Hand verlassen wir die Anhöhe des Schachenhauses.

Blick vom Schloss auf den Alpengarten

Auf der Höhe des Steilenberges blicken wir kurz zum Schachen zurück. Dann geht es mit flottem Schritt bergab.

Beflügelt von einem erlebnisreichen Tag überholen wir Wanderer um Wanderer. Bereits nach einer Stunden marschieren wir an der Wetterstein Alm vorbei und gegen 18.15 Uhr erreichen wir müde, aber glücklich den Wanderparkplatz in Elmau.  

Einige Literaturhinweise:

1.Wanderführer

  • König-Ludwig-Wanderbuch von Michael Neumann-Adrian, Seite 76, Steiger Verlag, ISBN 3-89652-129-2
  • Die schönsten Wanderungen im Werdenfelser Land von Georg Steinbichler, Seite 48, Bruckmann Verlag, ISBN 3-7654-2835-3
  • Kompass-Wanderführer Oberbayern I von Veit Metzler, Seite 170, Deutscher Wanderverlag, ISBN 3-8134-0085-9
  • Bergwandern mit Kindern von Bernd Riffler, Seite 122, Bruckmann Verlag, ISBN 3-7654-1983-4

2.Über das Schachenschloss

  • Das Jagdschloss des Märchenkönigs von Gerhard Hojer, Elmar D. Schmid und Gregor M. Schmid, Ludwig Buchverlag, ISBN 3-7787-3443-1
  • Heimliche Residenzen von Karin und Hannes Heindl, Seite 101, Druckerei Bommer GmbH, Miesbach
  • Auf den Spuren König Ludwigs II. von Hans F. Nöhbauer, Seite 189, Prestel Verlag, ISBN 3-7913-1470-X

© 2001 Helmut Schöttner

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